Kerstin Flasche
Kristalle und Mineralien in der Kunst des 21. Jahrhunderts
Bestellen2025, 17 x 24 cm, ca. 304 Seiten, Klappenbroschur, ca. 200 Abbildungen und Farbtafeln
ISBN: 978-3-88960-253-4
Preis: 38,00 €
Nichts erscheint so leblos wie ein Brocken Gestein…
Diese kunstwissenschaftlich-interdisziplinäre Auseinandersetzung fokussiert auf die transformativen Eigenschaften von anorganischen Substanzen – Mineralien, Kristall, Stein – im Kontrast zum humanistischen Modell, nach welchem Aktivität, Lebendigkeit oder Bedeutung dem Anthropos zugesprochen und dem Steinreich abgesprochen werden. Während sich tradierte Verständnisse von ‚Natur‘ oft zunächst auf das Pflanzen- und Tierreich beziehen, blickt diese Arbeit auf ein weniger erhörtes Material in Bezug auf die Koexistenz der Menschen mit ihrem Planeten. Drei Kunstwerke befragen das Verhältnis zwischen dem Menschen und dem Geologischen vor dem Hintergrund prominenter Debatten um das Anthropozän, (Post-)Kolonialismus, Extraktivismus und (Post-)Humanismus: Roger Hiorns’ Seizure (2008/20213), eine zu einer kobaltblau funkelnden Höhle auskristallisierte Wohnbrache im Süden Londons; Bertram Haudes Mohr mit Mineralien (2019), eine temporäre Intervention an einem historischen Exponat des Historischen Grünen Gewölbes in Dresden und Alicja Kwades Selbstporträt (2015/2020), bestehend aus 24 Glasphiolen, die die essenziellen Elemente des menschlichen Körpers enthalten. Eine ‚postnatürliche Ruine‘, einen ‚postkolonialen Trickster‘ und eine ‚posthumane Ikone‘ erzeugend, treten die anorganischen Aktanten in diesen Kunstwerken als dynamisch, diskursiv und ‚anorganisiert‘ aus ihrem angedachten Requisitenstatus heraus.
Dr. Kerstin Flasche ist Kuratorin und Kunsthistorikerin mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst. Von 2021 bis 2024 war sie Kuratorin am Kunsthaus Dresden - Städtische Galerie für Gegenwartskunst. 2021 schloss sie ihre Promotion an der HfBK - Hochschule für Bildende Künste Dresden ab, wo sie von 2014 bis 2020 als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin tätig war. 2019 realisierte sie mit dem Künstler Bertram Haude die temporäre Intervention Mohr mit Mineralien – Zeitgenössische Perspektiven auf ein historisches Objekt mit interdisziplinärem Symposium im Historischen Grünen Gewölbe Dresden. Von 2016 bis 2022 beteiligte sie sich als Mitinitiatorin und Kuratorin im Ausstellungsraum Galerie Stephanie Kelly in Dresden. Von 2010 bis 2014 studierte sie Kunst- und Bildgeschichte (M.A.) an der Humboldt-Universität zu Berlin und von 2006 bis 2010 Kunstgeschichte (B.A.) an der Philipps-Universität Marburg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Gegenwartskunst und Materialästhetik - insbesondere geologischen Materials wie Kristalle und Mineralien, Naturalien und Kuriosa - nichtmenschlichen Einflüssen und Prozessen in der Kunst, in Debatten um Ökologie, posthumane, postkoloniale und queere Theorien sowie in transdisziplinären Methoden und kuratorischer Praxis.